Das grosse Grinsen
Das Trommeln der Tropfen aufs Vordach klingt irre laut. Vormittags erst fast atemlose Schwüle, jede Bewegung mühevoll, dann Knall, Blitz, Sturzregen - ich steh im Gewitter unterm Dach und spüre erlösende Kühle.
Danach: Stockrosen, Topinambur, Sonnenhut - alles niedergedrückt. Überhaupt sieht der Garten plötzlich verwahrlost aus, das Wildkraut sozusagen blitzschnell hochgeschossen.
Apropos geschossen: gestern bei der grossen Hitze plantschten die kleinen Kinder vom Nachbarn lauthals im Plastikpool, während ihr Vater mit Luftgewehr rumknallte und wie schon öfter in letzter Zeit mehrere Vögel aus dem Kirschbaum holte. Dann guckte er zu mir rüber und grinste irgendwie hitzeblöd. Ich grinste mattblöd zurück: "Na, gute Beute? Warnen sich die Vögel immer noch nicht, dass hier ein ganz böser Mensch wohnt?" - "Vorhin hab ich einen am Flügel erwischt, der konnte hinter die Tannen entwischen, ich kriegte ihn nicht mehr." Sein Grinsen etwas schuldbewusst, aber auch wie eingefroren, es treibt ihn mächtig, rumzuknallen. Bedauernd grinste ich zurück, dann fiel mir ein: "Woanders essen sie ja Singvögel, machst du das auch?" - "Ach, da ist kaum was dran. Aus der Brust könnte man was schneiden." - "Das Filetstück sozusagen?" Er nickte.
Zwei Stare.

