Freitag, 15. August 2008

Lublin - Alter jüdischer Friedhof

Man kommt nicht rein ohne Schlüssel. Aber wir haben ja Herbert Ulrich kennengelernt, einen Deutschen, der seit über dreissig Jahren hier lebt. Sein Sohn Jozef geht mit uns zur alten Frau Honig und holt den Schlüssel ab. Der Mann von Frau Honig war der letzte Jude Lublins, er hatte aus dem KZ flüchten können und nach dem Krieg die Verwaltung des alten jüdischen Friedhofs übernommen, vor drei Jahren starb er.

Wir stehen im Hausflur und lauschen verständnislos den polnischen Erklärungen der alten Frau über berühmte Steine, Rabbis und Seher.

Jozef kann auch kein Deutsch, aber Englisch und Ukrainisch, seine Muttersprache ist Polnisch. Der Vater Herbert hatte kein Interesse daran, dass seine Kinder zweisprachig aufwuchsen. Jozef hat eine Ukrainerin geheiratet und erzählt, wie die Annäherung von Polen und Ukrainern durch Schengen und Polens EU-Beitritt einen Rückschlag erlitt.

Wir betreten den Friedhof. Von jetzt an höre ich seinen Erklärungen nicht mehr zu. Die ummauerte Wildnis auf dem Hügel mit den zerstörten Grabsteinen dazwischen nimmt mich gefangen.


Eindruck.


Grabsteindetail.


Links brennt eine Kerze.

Ich lerne, Lublin war vor dem Krieg eins der grossen jüdischen Zentren neben Lviv (Lemberg), zu dem auch enge Handelsbeziehungen bestanden, die Hälfte der Lubliner Bevölkerung waren Juden. Und jährlich 200.000 Juden besuchen diese Stadt.


Reste des ehemaligen jüdischen Viertels unterhalb der Burg.

Montag, 11. August 2008

Heisse Blutwurst, Wodka viel

Sie stehen überall - auf dem alten jüdischen Friedhof, in Vorgärten, vor öffentlichen Gebäuden, neben Kirchenruinen. Sie fallen gerade überall runter und sie schmecken gut. Ich glaube, in keiner Stadt gibt es mehr Mirabellenbäume als in Lublin.


Mirabellen.

Der Kern dieser Stadt wird erst langsam restauriert und "schön gemacht", noch nicht übertüncht und ausgebessert sind die meisten Häuser, die Fassaden atmen matt den Hauch der Geschichte (misslungener Versuch, mich lyrisch ausdrücken).


Am Platz bei der Kirchenruine, im Lokal unten wurde Internetempfang versprochen, aber er funktionierte noch nicht.


Ein unbewohntes Haus im Zentrum.


Und gleich um die Ecke ein prächtig restauriertes Objekt.

Die Warnung, nicht in dunkle Hinterhöfe zu gehen, weil man da leicht ein Messer im Rücken hätte, stachelte uns dazu an, genau das sofort zu tun. Danach folgte uns eine Zeitlang ein junger Typ und rief irgendwas die Wohnungen hoch, aber vielleicht hatte es auch gar nichts mit uns zu tun.


Ein dunkler Hausdurchgang.


Renovierungsbedürftiger Hinterhof.


Detail mit Engel.


Auffällig schön.


Fensterstuck.


Rohr aus Maul.


Tordurchgang.

Die Menschen in dieser Stadt am Ostrand Polens wirken sehr westlich. Auffällig elegant zeigen sich vor allem alte Frauen. Tatsächlich habe ich noch nirgends so viele sorgfältig gekleidete Alte wie in Lublin gesehen.


Schicke alte Frauen.

Und jetzt zum Titel dieses Beitrags: Wodka.
In einem sozialistischen Restaurant gibt es Livemusik-Schnulzen und Tanz für Ältere. Getrunken wird hier viel, getanzt und geprügelt, jedenfalls als wir da sind. Wie im Film - zwei (ältere!) Frauen kriegen sich in die Haare, bespucken sich und kreischen. Die resolute ebenfalls alte Wirtin greift ein, die Kampfhennen räumen den Saal.
Foto machen war leider zu gefährlich.

Und auch zum Titel dieses Beitrags: Blutwurst. Die gibt es gegrillt und danach muss man gaaanz viel Wodka trinken.

Donnerstag, 7. August 2008

Schlappschlapp

Nur nicht zu schnell bewegen. Die Hitze haut mich um. Gartenrundgang, der Schweiss bricht aus allen Poren. Was wollte ich nochmal? Ach ja, ein Foto machen:


Die Ziergurke mag es heiss.

Neulich aus verschiedenen schattigen verfilzten Ecken Fleischblattgewächse, die sich kaum durchsetzen konnten, ans Licht geholt. Das Töchterchen vom Nachbarn half und pflanzte auch einige artfremde Gegenstände:


Donnerwurz mit Tassenhenkel und Schneckengehäuse.

Hoffentlich wachsen die Buchsbaumstecklinge diesmal an, fünf gefüllte Giesskannen habe ich dem Nachbarn hingestellt, denn gleich muss ich weg. Zehn Tage werde ich meinen Garten nicht sehen, oh oh :-(

Mittwoch, 6. August 2008

Restlicht

Schon fast dunkel, schnell noch ein Foto.


Minisonnenblumen im Andenbeerenwald.

Dienstag, 5. August 2008

Storch mit Kuh

Stürmisch-regnerisch nachmittags, gegen Abend schön. Spaziergang zur Oder. Die Wiesen sind gemäht, das Heu ordentlich verschnürt, die Äpfel vom Baum kurz hinterm Kanal schmecken schon. Durch die Kuhherde am Deich stakst ein Storch. Nur noch kurz sind die Vögel hier, letztes Jahr brachen sie am 14.8. auf.


Heuballen mit Storch.


Storch mit Kuh.

Samstag, 2. August 2008

Frisch gefüllte Tonne

Gerade noch rechtzeitig vor Gewitter und Sturzregen die Regentonnen geleert, bis zum Rand sind sie wieder voll, die ganzen Leichen endlich weggespült, puh, das hat gut getan und war auch bitter nötig. Der gestrige Tag sah mich genau so schlapp wie meine Pflanzen.

Heute bedeckt und schwül. Hohe Luftfeuchte. Nicht gut für Tomaten, Braunfäule droht, also Steinmehl auf Blätter, soll helfen, auch bei Kürbis und Gurken.


Eine Gurke klettert den Salbei hoch.


Die Andenbeeren stehen prächtig und vielversprechend da.


Kleine Spinne auf Andenbeerenblatt.

Viele Libellen plötzlich. Schon gestern vorm Gewitter sass eine auf der Wäscheleine. Ich konnte sie nur gegen den Himmel ablichten, habe deshalb den dunklen Körper extrem aufgehellt, was ziemlich künstlich wirkt.


Libelle auf Wäscheleine.


Tomatenstange mit Libelle von vorn.


Und von der Seite.

Donnerstag, 31. Juli 2008

Tod in der Regentonne


Die Sonne bringt es an den Tag, unbarmherzig gleissend - und das Milieu der Mückenlarven wird stetig neu gewürzt.


Mohnkapsel

Montag, 28. Juli 2008

Pfefferminze frisch aus Marrokko

Der Markt in Mulhouse ist bunt, lang, arabisch gefärbt und zweigeteilt, auf der einen Seite Lebensmittel, auf der anderen alles andere.


Für die arabische Frau.

Ich liebäugle mit einer Tasche, die ein wenig eingerissen ist. Weil ich nicht französisch kann und der schwarze Verkäufer nicht englisch und er ausserdem so tut, als könne er keine Finger zählen, fällt das Feilschen schwer, nur 2,50 kann ich runterhandeln, ziehe etwas unbefriedigt mit meinem Fang ab und frage mich, ob sich das gelohnt hat.

In der Markthalle beim arabischen Fleischstand liegen Lammaugen, Pansen, Füsse aus. Der Verkäufer bedeutet mir, nicht zu fotografieren. Ich schaue ihn fragend an, warum nicht, er sagt mit dem Finger nein nein, ich hebe fragend die Schultern, er wieder nein nein mit dem Finger. Göttchen, ich will ja nicht ihn beim Schächten ablichten, sondern nur seine ausgestellte Ware.


Und hier ist sie.

Kapuzina

Zwischen Uckermark und Berlin

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Dort wohnen wollen ...
... würde ich auch nicht wegen der Sprachschwierigkeiten...
kapuziner - 18. Aug, 14:27
woran liegt es?
vielleicht daran, dass ein gewisses formgefühl...
bronislava (anonym) - 18. Aug, 14:07
Klasse!
Superinteressant, dein Beitrag. Die Fotos: faszinierend...
Barbara (anonym) - 17. Aug, 12:27
Lublin
Da würde es mir wohl auch gefallen, mal durchzuschlendern....
Treibgut - 16. Aug, 01:56
Lublin - Alter jüdischer...
Man kommt nicht rein ohne Schlüssel. Aber wir...
kapuziner - 15. Aug, 19:03
Heisse Blutwurst, Wodka...
Sie stehen überall - auf dem alten jüdischen...
kapuziner - 15. Aug, 18:06
Na ja
... Grundlagen der Biologie lernen die Kleinen ja erst...
Treibgut - 12. Aug, 00:29
Danke
Erst dachte ich ja, viel zu dicht gepflanzt, aber es...
kapuziner - 7. Aug, 14:50
Schlappschlapp
Nur nicht zu schnell bewegen. Die Hitze haut mich um....
kapuziner - 7. Aug, 14:45
Das ist aber ein schönes...
Das ist aber ein schönes Bild. Gefällt mir...
Hikari - 7. Aug, 11:55
Hach ja
... wieder die hier nicht existierenden fotogenen Störche!
Treibgut - 7. Aug, 00:45
wir rasen in richtung...
wir rasen in richtung des warmen winters, heute sah...
zonenklaus (anonym) - 7. Aug, 00:35

site meter

counter

Suche

 

Status

Online seit 878 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 18. Aug, 14:27

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


Creative Commons License

xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

eXTReMe Tracker

kostenloser Counter


Berlin
Dorf
Garten
Italien
Oder
Pflanzenportraits
Polen
Seen
Woanders
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren