Mittwoch, 3. Juni 2009

Erdbeermarmeladenvakuum

Das letzte Glas ist nicht mehr ganz voll geworden, es hat sich ein "weitgehend luftleerer Raum" (Wikipedia) gebildet.

Es regnet Bindfäden. Erdbeeren muss ich wohl in Gummistiefeln und Regenjacke pflücken. Bald fährt der Bus, hoffentlich hat es dann aufgehört.

Gestern unterm Nussbaum, der ganze Hang voll von diesen sich selbst verbreitenden Glockenblumen.

Dienstag, 2. Juni 2009

Stettin

Eine fremde Grossstadt in einem Land, dessen Sprache ich nicht kann, mit eigener Körperkraft zu erreichen, ist etwas anderes als eine Radtour zu fremder Stadt im eigenen Land. Obwohl Stettin nur 70 km von hier entfernt ist, mehrmals täglich eine Regionalbahn hinfährt und Polen für mich ja überhaupt nicht unbekannt ist, kommt ein kleiner Abenteuerfaktor dazu. Wenn auch nicht vergleichbar mit Reisen in exotische Gebiete - wohin man allerdings wohl kaum mit dem Rad fährt. Und genau das ist es vielleicht: die Unwägsamkeiten auf dem Weg zum Ziel: Befürchtungen über Kondition, Radpannen, Wolkengüsse, Gegenwind, Zwangsstopp in Orten, wo man sich nicht verständigen kann, Hilflosigkeit schlechthin. Ja, viel zu viele Gedanken gemacht mit meiner zweckpessimistischen Grundeinstellung. Tatsächlich begegneten uns nur hilfsbereite Polen, die obendrein oft deutsch konnten.

Leicht überhöhter Sonnenuntergang mit Altstadt und Oder.

Das Hotel Focus, in dem wir gebucht hatten, befindet sich zentral direkt an diversen Autobahnkreuzen. Wirklich gut schlafen konnte man nicht. Aber das Frühstücksbüffet ist grossartig und ein Extralob wert. Kostenloses Internet auf den Zimmern und Wifi in der Lounge. Für ca. 25 Euro pro Nacht pro Person.
Offene Netze findet man in Polen übrigens viel öfter als in Deutschland, in vielen Restaurants und Bars gehört das dazu, weshalb ich dauernd den Eipott rausholte und zum Beispiel über Stettin Infos ersurfen konnte, schon toll.

Teilblick aus Hotelfenster, ein eigentlich tolles Panorama über Fluss und Schiffe, allerdings eben auch über diese Autobahn.

Angler unter den Brücken.

Graffiti im Fussgängeruntergang.

Ein Käfer auf der Aussichtsplattform vom Schloss.

Wohnhäuser abseits des Zentrums.

Zaundetail.

Sonntag, 31. Mai 2009

Kinder an die Leine

Jedenfalls in Stettin, mehrere Kleinkinder sah ich heute so gesichert. Praktisch und nervenschonend. Werden sie deshalb Schaden nehmen?
Mit dem Rad fast bis hierher gekommen, wegen Gegenwind fuer Untrainierte wie mich schwierig, deshalb ab Gryfino Zug, der Zugfuehrer selbst trug unsere Raeder ins Behindertenabteil. Aber 55 km Kampf gegen Wind, immerhin.
Naechstes Mal nach Kuestrin die Oder runter, hoffentlich mit dem Wind.
Oberhalb von Fluss und Autobahnkreuz tatsche ich auf dem Eipott rum und hoere Joe Cocker. Mehr spaeter.

Montag, 25. Mai 2009

Begattung, Kampf?

Im Kirschbaum. Die rote Spinne nähert sich der grünen Spinne.

Es scheint, als ob die grüne Spinne "sich einspinnen" lässt.

Überwältigt. Ich glaube, die paaren sich.

Sonntag, 24. Mai 2009

Das wilde Eckchen


Zugewuchert. Hier hat schon lange niemand mehr gesessen.

Das Wildkraut wächst mal wieder schneller als die Kultur. Im Vorgarten grosszügig polnische Rasensaat (3,60 Euro/50 m, das "hoch2" finde ich gerade nicht auf der Tastatur) verstreut, kann eigentlich nur besser wachsen als die extrateure deutsche Saat (ca. 20 Euro/50 m). Dabei zwei Eimer Unkraut rausgetragen.
Fingerhut, Peperoni und verschiedene Semperviven gepflanzt. Dabei zwei Schubkarren Gräser und Unkraut weggekarrt. Am Abend noch hinter den Himbrombeeren Gurken gesät. Und schöne Erdbeeren geerntet.

Mein Rad hat wieder Licht, Jürgen reparierte es, sehr nett. Dafür kriegte er Rhabarberkompott mit warmer Vanillesosse und türkischen Kaffee. Er erzählte von der Zeit, als die Russen hier in der Gegend Manöver abhielten. Da fiel mir ein, dass die Amis in meiner Kindheit im Westen genauso mit ihren Panzern die Felder plattwalzten.

Samstag, 23. Mai 2009

Käferliebe

Salbei scheint anregend auf den Fortpflanzungstrieb zu wirken, jedenfalls bei Käfern, mehrere Pärchen finde ich im Gebüsch.

Zum Beispiel schwarzrot gefleckte.

Sind es asiatische Marienkäfer? Bisschen schlitzäugig sehen sie ja aus.

Und jetzt auf besonderen Wunsch: der Vorgartenrasen.

Tja, damit ist kein Preis zu gewinnen. Da muss nachgesät werden.

Freitag, 22. Mai 2009

Finster, nass und kalt

Bei zwei Stunden Stromausfall, im Gewitter allein, wenn nichts mehr geht, nicht das Telefon, kein heisses Wasser für Tee, wenn man ruhelos mit der Kerze herumwandelt und überlegt, ob man jetzt etwa in einem Buch lesen möchte, weil es für alles andere einfach zu dunkel ist, wenn man dann das Handy rausholt, weil man sich der Aussenwelt mitteilen möchte und gemeldet kriegt, dass die Sim-Karte nicht aktiviert ist - dann, ja dann kann einem schon mal finster, nass und kalt zumute werden. Und später, wenn das Licht wieder freundlich scheint, der Kühlschrank summt, der Tee bereitet ist, dann kann einem einen kurzen Moment lang alles besonders wohlig angenehm erscheinen.
Und noch ein wenig später hat man das alles schon vergessen. Nur die blöde Sim-Karte muss ich irgendwie wieder aktiviert kriegen.

Eine Akelei kurz vorm Gewitter.

Ein sehr kleiner Ausflug

Obwohl vormittags noch die Sonne schien, schafften wir es, pünktlich mit einsetzendem Regen loszukommen. In Treptow bummeln war geplant - es wurde dann eher eine Autofahrt hin und her durchs Viertel, weil der warme Landregen so schön floss und man kaum Lust hatte auszusteigen.

Fabrikgebäude, dritter Hinterhof.

Fabrikdachfenster.

Auf der Brücke einer schon lange stillgelegten S-Bahnlinie, die zum Fussgängerpfad gestaltet wurde. Hier kann man bis zum Görlitzer Park laufen. Es war zwar zu nass, aber wir kommen wieder.

Samstag, 16. Mai 2009

Görlitz

Betont forschen Schrittes die Strassen durchstreifende Rentnerpärchen prägen das Bild der Stadt. Ihre Wünsche nach Bunzlauer Keramik, schlesischen Delikatessen und Rotwein werden von ausgesprochen freundlichen aber abgehärmten Görlitzer Dienstleistern erfüllt, sozusagen von den letzten verbliebenen Einheimischen der Stadt - seit der Wende ist die Bevölkerung auf die Hälfte geschrumpft. Die Jugendlichen, die man sieht, kommen meist aus dem polnischen Teil der "Europastadt".
Die Stadt wirbt mit Zuzugsprämien um neue Mitbürger, wohl mit Erfolg, es sollen sich einige westdeutsche Ruheständler angesiedelt haben - in dieser wirklich schönen Umgebung hat man ca. 20 Prozent weniger Lebenshaltungskosten als im Westen des Landes.

Die witzigste Gedenktafel ist die des hühnerologischen Vereins.

Einige Gebäude warten noch auf Wiederherstellung.

Schöne alte Tore, unrestauriert...

... und restauriert.

Fassadendetail.

Bei der Jesusbäckerei beginnt die Prozession zum Heiligen Grab - einer originalgetreuen Nachbildung der Jerusalemer Grabstätte.

Hier geht es zum Grabersatz..

Fussgängerbrücke nach Zgorzelec, völlig unkompliziert ohne Kontrollen, ich staune immer noch.

Brücke von Zgorzelec aus. "Schoaschelesch" dachte ich wird das ausgesprochen, stimmt aber nicht, irgendwo kommt ein "tsch" dazwischen.

Impression auf polnischer Seite.

Fensterdetail.

Görlitz hat eine der wenigen unzerstörten Synagogen, die trotz teilweiser Erneuerung immer noch stark restaurierungsbedürftig ist.

Zierrat in der Kuppel.

Kuppelrunddetail.

Im Apollo-Theater sehen wir abends eine von Arbeitslosen gemeinsam erarbeitete Aufführung: "Hartz bekommen - weggeschwommen", ein komödiantisches Volksstück ohne Happy-End.
In einem polnischen Lokal probiere ich Brotgetränk - getreidiger Geschmack, erfrischend - und belausche zwei ältere Mädchen am Nachbartisch: "Ich hau alles kurz und klein und das wird dann gefilmt, in irgendeiner Ruine ... machst du mit?" Die andere nickt. Sie sind nicht aggressiv drauf, eher pubertär produktiv, und Ruinen sind genug vorhanden.

Erwähnenswert ist übrigens die ODEG (Ostdeutsche Eisenbahn), eine Privatbahn mit sympathischem Service: Kaffee und Sandwich wird zu zivilen Preisen zum Platz gebracht. Die Haltestellen mancher kleiner Dörfer sind Bedarfshalte: bitte Stopptaste drücken.

Ortsnamen auf deutsch und sorbisch.

Ostdeutsche Eisenbahn in Gegenrichtung.

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