Sonntag, 10. Januar 2010

Abriss und Aufbau

In der Schlossstrasse wird mal wieder abgerissen, diesmal das alte Wertheim. Oder eher abgetragen, Kräne mit saurierähnlichen Köpfen fressen sich behäbig von Stein zu Stein, damit die Konsumwilligen in der Einkaufsmeile nicht zu stark beeinträchtigt werden. Inzwischen kann man schon durch die Gebäudereste gucken.

Seit Wochen wird an dem alten Kaufhaus rumgeknabbert. Hinten die triste weisse lange Wand gehört zum neuen Karstadt. Trauen sich die Sprayer da nicht dran oder wird sie nachts bewacht?

Abrissdetail. Wie in Nachkriegsdeutschland.

Wo bis vor kurzem Woolworth stand, ist übrigens quasi über Nacht ein weiterer billig wirkender Einkaufskasten hochgezogen worden. Und ob der asbestbelastete Kreisel am Schlossstrassenende saniert oder abgerissen wird, ist noch nicht entschieden.

Samstag, 2. Januar 2010

Blut

"Schon Flecken auf der Tischdecke", jammerte meine Mutter am Abend vor Weihnachten, "hätte ich sie doch noch mal abgenommen." Freudlos und angespannt hatte sie seit unserer Ankunft gewirkt, schwach und schwerfällig und gleichzeitig voll schlechter Energie, und sie hatte mich dadurch ganz kribbelig gemacht.
"Ich kann mir ja mal in den Finger schneiden und ein bisschen Blut auf die Decke tropfen lassen, Härtetest für die neue Waschmaschine: deiner Tochter Blut entfernen."
Manfred lachte, haha, welche Symbolik. Sie fühlte sich ungerecht angegriffen, das lose Maul der Tochter. Ich so fern aller Steuerungskontrolle, die Grundtraurigkeit über die bittere alte Mutter überdeckt mit hibbeliger Aufgedrehtheit.
Dabei hatte ich gedacht, mit meinen nahezu 50 Jahren den eigenen Älteren gegenüber etwas Gleichmut entwickelt zu haben. Doch immer wieder Unwohlsein, immer wieder Kampf gegen die Mutter. Erschreckend, wenn im hohen Alter nichts Liebenswertes mehr übrigbleibt. Ich kann sie nicht umarmen.
Obwohl diesmal nicht wirklich schlimme Streitigkeiten passierten - es war kein schönes Weihnachten.

Nachtisch im renommierten Felsenkeller, Tante Waltraut hatte die Grossfamilie eingeladen.

Montag, 7. Dezember 2009

Ginkgo

So genau und intensiv ich im Garten Wurm, Ameise und Gemüse betrachte, so flüchtig und ungenau guckend laufe ich meist durch die Stadt. Heute aber nicht.
Zum Brotholen über den leeren Kinderspielplatz und den kleinen Park dahinter. Eine alte Frau mit Einkaufsroller klaubte plastikhandschuhbewehrt noch nie gesehene Früchte auf. Massen davon unter zwei Bäumen, wie kleine Mirabellen. Ich hob eine auf, sie war ganz weich und roch schlecht wie alter stinkiger Käse. Etwas wichtig klärte die Alte mich auf, das sei die Frucht des Ginkgobaums, dieses Jahr trügen sie besonders gut, es müssten männliche und weibliche Bäume immer abwechselnd stehen, denn die Pflanze sei zweigeschlechtlich. Und den Kern könne man essen, sie hätte es neulich von einer Japanerin erfahren. Der Baum halte die schlimmsten Umweltsünden aus und werde uns alle überleben. Sie geriet regelrecht ins Dozieren, und ich dachte, dass sie früher mal Lehrerin gewesen sein könnte.

Der Baum.

Die Frucht.

Natürlich sammelte ich auch ein bisschen von diesem seltsamen Baumobst, machte mich in Wikipedia kundig und holte die Kerne aus der übelriechenden Hülle - jetzt stehen sie erstmal hübsch am Küchenfenster.

Donnerstag, 3. Dezember 2009

Fettitr

Und dann ist da noch der für den eiligen Verbraucher schwer zu erkennende Lebensmittelinhalt, z.B. die gescheiterte Ampelkennzeichnung für Nährwerte.
Meine Mutter kaufte früher öfter Kochkäse, mal den mit 30% Fett i.Tr., mal mit 45% Fett i.Tr. Der 45%ige schmeckte natürlich besser, wobei ich mich als Kind fragte, was "Fettitr" bedeutete.
Jetzt wird auch hier mehr verschleiert:

F.I.T. statt Fett i.Tr. Fett macht fit?

Frostkristalle

Kalt und blau. Gestern gerade noch rechtzeitig umgegraben. Probeweise trete ich auf eine umgeworfene Scholle, schön hart gefroren.
"Das Unkraut von den Wurzeln her wegfrieren", sage ich zum Nachbarn, der entgegnet: "Aber die Saat kommt wieder." Dann erzählt er uns begeistert, dass im Nachbarort Feuerwerk vorgeführt wurde, er war da und hat jetzt schon den Einkaufszettel vorbereitet: "Tolles Spektakel, zwei Minuten für 55 €." Mir rutscht raus, dass ich so viel Geld lieber nicht einfach so verpuffen lassen würde, Manfred sagt gleich "wieso denn nicht?" und seine Augen blitzen so begeistert wie die des Nachbarn.

Kurz bevor die Sonne ganz um die Scheune herum meinen Garten hinten bescheint.

Frostig bereifte Ringelblume.

Duftthymian mit Eiskristallen.

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Umgegraben

... den Ackerboden möglichst grob - auf dass die Scholle gut durchfriere mitsamt all den kopfüber gestürzten Unkräutern, deren Wurzeln jetzt zum Himmel ragen. Tatsächlich noch dieses Jahr geschafft - sieht amtlich aus wie bei Nachbars. Und geht in den Rücken.

Kirschknospen. Anlagen für Blüte und Blatt sind im Innern schon gut verpackt vorhanden, jetzt muss nur noch die eisige dunkle Zeit überstanden werden.

Sonntag, 29. November 2009

Eingeklemmt

Plötzlich greift eine der programm- und systemübergreifenden Tastenkombinationen nicht mehr, stattdessen muss mühsam mit der Maus ins Menü gestolpert werden, um ein Programm zu beenden, "alles markieren" funktioniert ebenfalls nicht mehr.
Auch am nächsten Tag hat sich das Problem nicht verflüchtigt. Was ist das? Hat sich jemand eingehackt und macht langsam alles kaputt? Besorgt durchstöbere ich Hilfedateien und Foren, ergebnislos.
Gegen Abend endlich tippe ich das "y", das heisst, ich will es tippen, aber es tippt sich nicht. Weil es mitsamt einem Krümel eingeklemmt ist. Nach seiner "Befreiung" funktionieren auch die benachbarten Buchstaben in Tastenkombination wieder.
Haha, wenn sich doch alle Schwierigkeiten so leicht lösen lassen würden!

Mittwoch, 25. November 2009

Laubmassen

Bei schönstem Wetter stundenlang zusammengekehrt, dabei erst des Schals entledigt, dann der Jacke. Unter dem Flieder das Laub zusammengepappt matschig, unter der Walnuss eher locker mit immer noch Unmengen Nüssen dazwischen. Gefühlte Tonnen Laub zwischen Abhang und Nachbars ungeliebte Koniferen geschüttet. Eine Art Laubdüne geschaffen.

Schon was geschafft.

Stiefmütterchen im Schutz des Türkischen Mohns.

Dienstag, 24. November 2009

Dachschaden

Der Nachbar macht mich darauf aufmerksam, dass bei uns am Dach was kaputt ist, man kann es nur von ihm aus sehen. Ich gehe rüber und wir gucken beide dachwärts. Zwischen Haupt- und Nebendach sind auf Firsthöhe zwei Ziegel abgerutscht.
Der Dachdecker kommt Samstag.

Drei Stunden lang verschiedenste Gestrüppe aufgeräumt, schöne frische Topinamburs geerntet und die letzten roten Rüben. Peperonis und Andenbeeren sind leider matschig verfroren, einige Ringelblumen leben noch.

Giesskannen in Winterruhe.

Kapuzina

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